1984

Überwachungskamera
22.01.2013

Nun soll also das geheime Bespitzeln von Arbeitnehmern verboten werden. Also nicht grundsätzlich. In Verdachtsmomenten darf natürlich weiter heimlich observiert werden.

Im Gegenzug wird das öffentliche (oder muss es heissen offensichtliche) Überwachen ausdrücklich erlaubt. Der zu bespitzelnde muss also über die Bespitzelung unterrichtet werden. Sollte idealerweise auch sein Einverständnis zu der Massnahme unterschriftleistend erklären.

Was für die einen Rechtssicherheit, lässt bei den anderen sämtliche Alarmsirenen losgehen. Wenig verwunderlich, dass ich mich eher zu denen mit den Sirenen zähle?!

1984

Zu meiner Zeit gehörte es zum guten Ton, war sozusagen Pflicht, dass man George Orwells Roman 1984 gelesen hat. Manch Jungspund wurde gar schulischerweis zu Lektüre oder Kinobesuch genötigt.

Die Vorstellung, jederzeit unter Beobachtung zu stehen, keine Geheimnisse haben zu können, letztlich keinen eigenen Willen haben zu dürfen. Diese Vorstellung war schon beängstigend. Entsprechend kritisch, gereizt, gar aggressiv waren die Reaktionen auf alles, was irgendwie nach Überwachung aussah.

Volkszählung, Punkerkartei. Gestapo, Stasi, Verfassungsschutz.

Im Laufe der Jahre hat die Aufmerksamkeit mehr und mehr nachgelassen. Die Orwellschen Szenarien hatten sich ja nicht bewahrheitet. War also doch kein Prophet der Herr.

Auf Facebook und Co, so wird immer wieder angeführt, würden die Leute Informationen Preis geben, die weit über alles hinaus ginge, was staatlicherseits jemals angedacht war.

Da hat sich doch ein kleiner, aber entscheidender Denkfehler eingeschlichen: Bei Facebook ist es jederzeit die Entscheidung des Einzelnen, ob und wieviel er über sich erzählt. Ist die Preisgabe erst in Gesetz und Recht gegossen, dann hat das Individuum keinerlei Kontrolle mehr über sein selbst.

Konditionierung

Letztens streifte ich ein wenig durch die Straßen und wollte ein paar Fotos machen. Einfach so. Unbefangen ging ich los. Die Unbefangenheit war schnell weg, komische Gedanken machten sich breit.

In der U-Bahn und auf den Bahnsteigen, so habe ich gehört, dürfe man nicht ohne Genehmigung fotografieren. Ein Blick in die Runde zeigte ganz deutlich: Der MVV im Gegenzug darf sehr wohl filmen. Ganz ohne mein Einverständnis.

Ein Schnappschuss von einem Geldautomaten? Nicht ohne Gegenfoto.

Als ich mir also vergegenwärtigte, wo überall ich jetzt schon jederzeit überwacht werde... ertappte ich mich, wie ich selbst nur noch heimlich fotografierte.

So oder so ähnlich funktioniert Konditionierung.

"Heben Sie das auf! Ja, Sie im roten Pullover."

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich einen Bericht über die ausgeprägte Videoüberwachung in London gesehen. Da sitzen also irgendwelche Spacken fernab in sicheren Büros und kontrollieren, was auf den Straßen vor sich geht.

Ihnen stehen nicht nur Kameras zur passiven Beobachtung zur Verfügung, sie haben auch Mikrofon und Lautsprecher, um helfend eingreifen zu können.

Der Sprecher aus dem Off flötet etwas von "wenn etwa ein Handtaschenraub oder eine Rempelei zu beobachten sei". Dagegen könne nun wirklich niemand etwas sagen.

Genau ist zu sehen, wie ein junger Mann etwas fallen läßt. Sofort ist die Spacke mit Eifer am Mikro: "Heben Sie das auf! Ja, Sie im roten Pullover."

Wer jetzt glaubt, der Junge Mann hätte seinen Kontrolleur stinkefingerzeigend zu verstehen gegeben, was er von solch Blockwartmentalität halte, der hat sich getäuscht. Brav wird fallengelassenes aufgehoben und ordnungsgemäß in nebenstehenden Abfallbehälter verbracht.

Was lernen wir daraus?

  1. Wenn die Kameras einmal hängen, wird deren Einsatz mit nichten auf Verhinderung und Aufklärung von Kapitalverbrechen beschränkt bleiben!
  2. Die auf der anderen Seite der Kamera haben Macht über die gefilmten.

Aber mein Thema ist ja nicht die Überwachung des öffentlichen Raumes, vielmehr geht es um die Orte, an denen viele einen Großteil ihres Lebens verbringen: Die Arbeitsstätten.

Vertrauensverhältnis

Deutsche Arbeitsgerichte haben mehrfach festgestellt, dass ein Arbeitgeber zur fristlosen Kündigung von Mitarbeitern berechtigt ist, wenn diese durch noch so banale Taten das Vertrauensverhältnis zerstören. So etwa durch das unberechtigte Einlösen von Pfandbons oder das Verzehren von übrig gebliebenen Leberkässemmeln.

Wenn nun der Arbeitgeber seine Mitarbeiter zukünftig lückenlos überwacht, dann muss angenommen werden, dass von Haus aus kein Vertrauensverhältnis besteht.

Heißt das dann, der Arbeitgeber kann jederzeit fristlos kündigen? Mit der einfachen Erklärung, ein Vertrauensverhältnis würde nicht bestehen und somit sei eine weitere Beschäftigung nicht tragbar?

Oder kann der Mitarbeiter im Gegenzug verlangen, jederzeit Einblick in die Büroräume der Vorgesetzten zu erhalten?

Wissen ist Macht

Allein die Vorstellung, da ist irgendwer, der genau mitbekommt, wenn ich mich mit Kaffee bekleckere oder was mir sonst an kleinen Peinlichkeiten Tag aus, Tag ein widerfahren können, hinterläßt ein komisches Gefühl.

Zwar sei die Überwachung zum Zwecke der Leistungskontrolle auch weiterhin nicht gestattet, jetzt erklär aber mal so einer Kamera den Unterschied zwischen arbeitsrechtlich verordneter Mittagspause und erschöpfungsbedingtem Däumchendrehen.

Ist die Kamera aufgestellt und die Nachlässigkeit erfasst, wie um alles in der Welt soll der Chef dann dieses Wissen aus seinem Bewusstsein verschwinden lassen?

Datenschutz

Abschließend ein Satz zum Datenschutz: Wer wird die Angelegenheit überwachen? Kommt Frau Merkel vorbei und sieht nach, ob alles ordentlich unter Verschluss bleibt? Kommt das Ordnungsamt? Gar die Polizei?

Die Erfahrung zeigt, sind die Daten erst vorhanden, dann werden sie auch genutzt, ausgenutzt, verkauft, veröffentlicht. Muss sich ja auch rentieren so eine Überwachungsanlage.

Quellen:

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Armut

Geist

Mister

Ich soll jetzt also was über mich sagen? Weil das irgend wen interessiert? Das soll ich glauben?

Also gut. Ich werde oft gefragt, wie ich zu meinem Namen komme.

Der Name "Geist", also Geist wie Gespenst, kommt aus meiner Gruftiezeit... ach Quatsch, war ja nie ein Gruftie.

Eher so methaphysisch also. Inhaltsschwanger und philosophisch. Wär schön, sich mit sowas zu schmücken. Ist aber Unsinn.

Dann vielleicht religiös. So heiliger Geist und Dreifaltigkeit und so Sachen? Daraus ließe sich sicher was drehen. Gehört aber auch in das Reich der Sagen und Märchen.

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