Trambahn durch den Englischen Garten

07.08.2017

Der Münchner Stadtrat hat soeben eine Tramlinie durch den Englischen Garten beschlossen, schon formiert sich das Heer der Gegner.

Selbst vor einer Onlinepetition schrecken sie nicht zurück.

Ihre Argumente sind bestechend... oder?

Bäume fällen

Dass "Bäume gefällt werden" müssen. Das ist für Baumumarmer und Botanikfundamentalisten immer ein Drama. Christbaumliebhaber sehen das schon nicht mehr so eng. Wer sich im Englischen Garten etwas auskennt, weiß, dort werden immer wieder Bäume gefällt... und es werden immer wieder neue gepflanzt. Nach der Argumentation, dass "Bäume gefällt werden", müssten Bieber ausgerottet, Hochwasser verboten und Stürme umgeleitet werden. Vielleicht ein wenig kurz gedacht das Argument.

Straße kreuzen

"An Wochenenden überqueren bis zu 100.000 Besucher die Busspur"... an jedem Tag kreuzen viele 100.000 Füßgänger Straßen und Kreuzungen in der ganzen Stadt. Niemand käme auf die Idee, deswegen Individual- und öffentlichen Nahverkehr in Ballungszentren einzuschränken oder gar zu verbieten. Im Englischen Garten soll das auf einmal als Argument herhalten?

Rückstau

"Der Rückstau, der sich üblicherweise hinter einer Tram bildet, ist [...] vorprogrammiert"... als ob Trambahnen ursächlich für das Verkehrschaos auf Münchens Straßen verantwortlich wären. Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht. Staus verursachen immer noch Autos. Manchmal einfach durch ihre pure Anwesenheit, manchmal durch schlecht durchdachte Verkehrsplanung, oft durch rücksichtslose Fahrer. Trambahnen hingegen sorgen oft für Entlastung. Vom Autoverkehr getrennte Trassen - und deren gibt es nicht wenige - behindern keinen Autofahrer. Vielleicht rufen sie Missgunst und Neid hervor, weil der Trambahnfahrgast entspannt, stressfrei und nicht selten erheblich schneller an sein Ziel gelangt, als der im Stau festsitzende Autofahrer.

Unfallverursacher

"Man darf nicht vergessen, dass durch den Tramverkehr unzählige Unfälle in der Stadt verursacht werden"... Auch wenn mir keine Zahlen, schon gar keine Vergleichszahlen, vorliegen, möchte ich mich doch etwas aus dem Fenster lehnen: In der Stadt verursachen vorwiegend Autos Unfälle. Unfälle mit Personenschäden, wie Unfälle mit hohen Sachschäden. Treffen Auto und Tram aufeinander, mag das Auto in der Regel den kürzeren ziehen, ist trotzdem der Fahrer nicht selten selbst verantwortlich. Trambahnen manifestieren sich selten aus dem Nichts und haben für gewöhnlich eine beachtliche Größe, die sich nicht so einfach übersehen lässt. "Autotüren, die beim Öffnen mitgerissen werden"... das Argument entlockt einem Radlfahrer allenfalls ein mitleidiges Lächeln. Weiß er doch genau, es ist nicht die Trammbahn, die leichtfertig Autotüren aufreißt.

"Verschwendung von Steuergelder"

Der Presse ist zu entnehmen, dass große Teile der CSU gegen die Tram seien. Jene CSU, die ohne mit der Wimper zu zucken weit mehr Steuergelder zu weit größeren Fenstern hinausschleudert. Man betrachte nur den Tunnel für die zweite Stammstrecke. Ein Geschenk für die Bauindustrie mit wenig Nutzen für den allmorgentlichen S-Bahn-Pendler. Ein ganz durchsichtiges Argument gegen die SPD regierte Stadt.

Hier der Wortlaut der Petition ... einen Link zur Petition selbst gibt's aber nicht!

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Die Nutzung von ssh statt telnet oder ftp ist für die Eingeweihten schon seit alters her ein alter Hut.

Beherrscht der Kommandozeilenfetischist den Login per ssh und das Kopieren von Daten per scp im Schlaf, so muss er doch hier und da nach Spezialfällen suchen.

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