Radeln in München

03.01.2018

Gelegentlich kann man Gesprächen beiwohnen, in denen städtische Verkehrspolitik diskutiert wird. Von einer Radlhauptstadt ist dann die Rede.

Eine Radlstadt, die in echt keine sei. Man müsse nur mal einen Blick nach Kopenhagen oder Amsterdam werfen. Wie da die Radwegnetze ausgebaut seien.

In München hingegen? Ein Armutszeugnis sei das.

Wenn ich dann einwerfe, ich führe am liebsten auf Straßen ohne Radweg, ernte ich vorwiegend ungläubige Blicke.

Es ist aber nun so, dass ich es seit früher Kindheit gewohnt bin, mich mit Autofahrern zu arrangieren. Vor 40 Jahren waren für Radler reservierte Reservate selten.

Mit wem ich mich jedoch ganz schwer täte, dass seien die Mitradler.

Die mit Helm etwa. Die offenbar meinten, die Behütung befreie sie vor den Unbillen der Verkehrsordnung genauso wie vor der Rücksichtnahme anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber.

Oder die Ampeldrängler. Wenn es eine Kolonne geschafft hat, den langsamsten Fahrer der Gruppe zu überholen und dieser sich an der nächsten roten Ampel wieder an die Spitze setzt.

Gelegentlich auch die Radlrambos. Überholen ohne Sicherheitsabstand und Schneiden, das mag ich von Autofahrern so wenig, wie von mountainbikebewehrten Extrem-Egoisten.

Fahren in der falschen Richtung, zum Überholen nicht vorbei lassen, mit Anhänger den Radweg blockieren und und und.

Da sei mir die Straße einfach lieber.

Gehst du mit Autofahrern respektvoll um, dann tun die gleiches auch an dir.

Genug des Vorgeplänkels, eigentlich wollte ich einen ganz anderen Aspekt der Verkehrsplanung ansprechen. In München, so ist zu hören, brauche man ganz gewiss kein Auto. Der MVV, die Radwegnetze, da sei man eh schneller, als mit dem PKW. Man würde sich zumindest selbst den Staufallen des Mittleren Ringes und dem nervenaufreibenden Parkplatzsuchen schon lange nicht mehr aussetzen.

Selbst eingefleischte Automobilisten sind dieser Art zu vernehmen. Da muss es doch sehr verwundern, dass die Straßen nach wie vor verstopft sind. Dass jeder neue Radweg zu Proteststürmen führt. Dass jede neue Trambahntrasse, jede Busspur zu verbitterten Reaktionen seitens der Autofahrer führt.

Ganz offenbar ist die Zahl der Stop and Go Liebhaber, die Fußgängern und Radlern jeden Zentimeter öffentlicher Fläche neiden, nach wie vor in der Mehrzahl. Anders ist es auch nicht zu verstehen, dass jede Kritik an SUVs und deren Einsatz beim morgentlichen Schulweg von allen Seiten verbissen verteidigt wird.

Ja, da gehen die sonst auf ihr Auto in der Stadt verzichtenden gerne wieder mit auf die Barrikaden.

Wenn es um die Freiheit des PS-Boliden geht, dann wird schon mal verargumentiert, dass ein SUV im Verhältnis zu seiner Masse ein sehr ökologisches Fahrzeug sei. Er würde zwar gerne das Doppelte eines Mittelklassewagens wiegen, aber lediglich das 1,irgendwas-fache an Sprit verbrauchen. Dass so ein Bolide sowohl auf der Straße, als auch auf dem Parkplatz schnell mal den doppelten Platz eines Normalwagens einnimmt und damit sowohl die städtische Parkplatzknappheit über Gebühr fördert und stautreibend ist, das ficht die Teilzeitfußgänger nicht weiter an.

Wer die automobile Freiheit als solches - also wenn nicht die eigene Vernunft dazu rät - in Zweifel zieht, oder gar einzuschränken versucht, erntet schnell Wut und Feindschaft. Und natürlich den Zeigefinger, der auf andere zeigt. Der dem Radler vorwirft, rechts zu überholen, auch wenn er das darf. Der das alte Muttchen scheucht, weil es nicht schnell genug über die Straße wieselt. Der selbst grobe Rücksichtslosigkeit beim Abbiegen, Schneiden, Vorfahrt nehmen von sich weist.

Das Automobil fährt ungebremst mit seinen Lenkern auf den Abgrund zu. So lange bis er entweder über den Rand hinaus schießt oder ihn der Gesetzgeber in die Schranken weist. Denn klappt die Fahrzeugtür zu, bleibt die Vernunft draußen.

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