Olympia im Rundfunk

04.02.2018

Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele rufen gerne mal gemischte Gefühle hervor. Doping in Russland, Soziale Einschnitte und Verwerfungen vor Ort oder massive Geldverschwendung.

Eine Facette der immensen Geldverschwendung, nicht nur im Land der Austragung, soll heute Thema sein: Der Handel mit den Übertragungsrechten für Rundfunk, Fernsehen und das Internet.

Die Übertragungsrechte für 2018 bis 2024 schlagen mit über 220 Millionen Euro zu Buche.

Diese Summe schreit förmlich nach Zahlenspielereien.

Brechen wir die Millionen mal auf den einzelnen Olympischen Tag runter. Bei angenommen 32 Tagen pro Olympiade, etwa zur Hälfte die Sommer- und zur anderen Hälfte die Winterspiele und drei Veranstaltungen, kommen wir auf insgesamt 96 Tage. Macht etwa 2,3 Millionen pro Tag.

Für einen Tag 2,3 Millionen. Das ist ein ganz schöner Batzen. Da sind Essen und Getränke noch nicht eingerechnet. Für den Betrag gibt es die Übertragungsrechte. Sonst nichts. Da ist noch kein Kamerateam zum Ort des Geschehens gereist, noch keine Minute des Ereignisses übertragen.

Damit der 100 Meter Lauf auch in die Wohnzimmer übertragen wird, werden 500 Leute im Einsatz sein. Was das kostet, da macht man sich keine Vorstellung. Und doch möchte ich mir das irgendwie vorstellen. Ziehen wir also den durchschnittlichen Monatsverdienst in Deutschland heran - mal davon ausgehend, dass die Leute beim Öffentlich Rechtlichen im Durchschnitt Durchschnittsverdiener sind - das wären dann so 3.700 Euro im Monat oder etwa 185 Euro am Tag. Kommen also zu den 2,3 Millionen weitere 92.500 Euro hinzu. Also eine vergleichsweise lächerliche Summe.

Oder anders herum, rein für den Rechteerwerb könnte der Rundfunk schon eine ganze Menge Leute für einige Zeit beschäftigen. Die eingesetzten 500 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen könnten davon locker einen ganzen Monat bezahlt werden. Getränke inklusive.

Ich höre jetzt all die aufheulen, die schon gegen die GEZ gewettert haben, für die die Rundfunkgebühr ein Zwangsgeld eines autoritären Staates ist. Sehen wir uns also an, wie Olympia den einzelnen Zahler belastet. Nehmen wir also die 2,4 Millionen Ausgaben und teilen sie durch die Zahl der Zahler - das wären etwa 45 Millionen - und kommen gerade mal auf 5 Cent pro Tag. Für drei Olympiaden also knapp 5 Euro. Da muss ich als bekennender Olympia-geht-mir-am-Arsch-vorbei-Ignorant sagen: geschenkt. 5 Euro, bitteschön. Muss ja nicht hinsehen.

Muss ich nicht? Muss ich doch. Denn jetzt kommt der Knaller: 45 öffentlich rechtliche Rundfunkstationen werden über Olympia berichten. Da werden wohl die Hochsprungergebnisse auch auf Bayern 4 Klassik in Wagners Walküre eingewebt. 45 Sender senden Sport. Dem kommst nicht aus. Das erzeugt Generationen traumatisierter Kinder, die statt der Sendung mit der Maus Abfahrtsrennen sehen müssen.

Jetzt ist aber auch wieder gut mit Olympia.

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Brot am Haken

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Was hat es also damit auf sich.

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