Bürgerinitiative Ausländerstopp

Abgeschiedenheit

Karawane

07.12.2012

Noch gar nicht so lange her, da luden die Nazis zu einem Rundkurs durch München ein. Das Pack der "Bürgerinitiative Ausländerstopp (BIA)" hatte mehrere Kundgebungen verteilt über ganz München angemeldet.

Ein unüberschaubarer Haufen, mögen es fünf, vielleicht zehn Nazis gewesen sein, hielt für einen Tag ganz München in Atem.

München stellt sich entgegen

Na, vielleicht nicht ganz München. Um ehrlich zu sein eigentlich nur ganz wenig München. Von den 1,4 Millionen Münchnern wurden vielleicht 500 in Atem gehalten.

Den meisten Münchnern geht der braune Sumpf gelinde gesagt am Arsch vorbei. Ich wäre geneigt zu sagen "recht so", wenn, ja wenn ...

In der Mitte der Gesellschaft

Es ist noch nicht lange her, da wurde eine Studie publik, dass in den alten Bundesländern um die sieben, in Neufünfland um die 16% der Bevölkerung eine stramme rechte Gesinnung haben. Und hier spreche ich nicht von rechts im Sinne von christlich-konservativ. Hier geht es um wirklichen Rassismus inklusive Gewaltbereitschaft und Hitlerverklärung. Im Fachjargon: Geschlossenes, rechtes Weltbild.

Der freundliche Nazi von nebenan

Sackgesicht

Sackgesicht

Aber ich weiche ab. Zurück zum Thema.

Eine der angekündigten Veranstaltungen sollte in der Ligsalzstraße direkt vor dem Kulturladen Westend stattfinden.

Die Damen und Herren von der BIA wurden, begleitet von einem mächtigen Polizeiaufgebot, über Nebenstraßen zum Ort des Geschehens eskortiert.

Beachtlich, welchen Aufwand das Grundgesetz fordert, um ein paar menschenverachtender Wirrköpfe zu beschützen.

Angemessener Umgang mit friedlichen Demonstranten

Weder Polizei, noch Nazigeschmeiss waren weitsichtig genug, um zu sehen, dass der gewählte Veranstaltungsort von der denkbar ungünstigsten Sorte war.

Eine Handvoll Leute am einen Ende der Straße, eine Handvoll am anderen. Somit der Ort für eine perfekte Blockade.

Sinn und Unsinn

Manch Zeitgenosse möchte nun nach dem Sinn von Veranstaltung und Gegenveranstaltung fragen.

Eine Frage, die so ganz ohne nicht ist. Auch mich beschleicht des öfteren die Frage nach Sinn und Unsinn wenn ich mich frierend dem Geschmeiss in den Weg stelle.

An diesem Tag, zu beschriebener Stunde lag die Antwort ganz klar auf der Hand. Die Nazis wollten Öffentlichkeit, die Gegendemonstranten haben sie ihnen verwehrt.

Kein Durchkommen - oder: vertrauen in den Rechtsstaat

Vertrauen

Vertrauen

Die BIA-Leute blieben unter sich. Keine Passanten, die angesprochen werden konnten, kein Publikum, dass ihre Parolen hören konnte.

Wären die Beiträge nicht in Pfeifkonzert und Buhgerufe untergegangen, man hätte sich fast amüsieren können über den einfältigen Schwachsinn, geboren aus verwirrten Hirnen.

Verwirrte Hirne? 'Tschuldigung, jetzt verharmlose ich.

Natürlich ist das Gesocks jederzeit klaren Geistes und der eigenen Meinung Herr. Wir haben es ja nicht mit hilfsbedürftigen Kranken, sondern mit gefährlichen Verbrechern zu tun.

33 - 1933 gar?

Eine kleine Anekdote am Rande? Bitteschön.

In der verzweifelten Hoffnung, die Blockade aufzulösen und die Nazis sicher von dannen zu bringen, kam der Einsatzleiter auf die bemerkenswerte Idee, die Gegendemonstranten möchten sich doch hinter die Hausnummer Kazmaierstraße 33 zurückziehen.

Das letzte Mal als von 33 und Zurückziehen die Rede war, war das kein Spaß. Für ganz Europa nicht.

Wiederholungsgefahr

Das Berichtete hat sich am 29. September 2012 in München zugetragen. Die Hoffnung, das Geschmeiss demotiviert zu haben, ist gefahren dahinn. Am 8. Dezember ist erneut ein Veranstaltungsmarathon angesetzt.

Hier die Orte und die infamen Themen:

10.00 bis 10.30 Uhr, Ecke Blumenstr./Pestalozzistr. ("Solidarität mit Palästina. Israel stoppen")

11.00 bis 11.30 Uhr, Nordbad/Karstadt/Schleißheimer Str. ("Kriminelle Ausländer raus")

12.30 bis 13.00 Uhr, am Giesinger Bahnhof ("Gegen Überfremdung und Ausländerkriminalität")

14.00 bis 14.30 Uhr, Ottostr./Max-Joseph-Str.("Solidarität mit Palästina. Israel stoppen")

15.00 bis 15.30 Uhr, U-Bahnhof Milbertshofen/Knorrstr. 29 ("Bildung statt Asyl")

16.00 bis 16.30 Uhr, U-Bahnhof Schwanthaler Höhe/Ganghoferstr. ("Mieten runter")

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